Vor einiger Zeit gelangte mir wieder ein Buch aus meiner Jugendzeit mit dem Titel »ABENTEUER IN DOKTOR KLEINERMACHERS GARTEN« von Herbert Paatz(*) in die Hände, das 1941 im DEUTSCHEN VERLAG BERLIN erschien. Der Verfasser wurde 1898 in Berlin als Herbert Fiebrandt geboren. Um als Mitglied der KPD der Verfolgung durch die Nationalsozialisten zu entgehen, wählte er das Pseudonym P a a t z. Bis Ende der Dreißiger Jahre schrieb er als freier Journalist und studierter Zoologe zahlreiche wissenschaftliche Artikel, danach die bis heute unvergessene Jugendbuch-Reihe, die 1938 mit dem reich illustrierten Roman »DOKTOR KLEINERMACHER FÜHRT DIETER IN DIE WELT« begann. Herbert Paatz wurde noch Ende 1944 zur Wehrmacht eingezogen und fiel wenige Wochen später.
Protagonist der Paatzschen Jugendbücher ist ein skurriler Wissenschaftler, der sich und zwei Kinder mit Hilfe eines Schrumpfungsmittels verkleinert, um anschließend gemeinsam mit ihnen die heimische Tier- und Pflanzenwelt zu erkunden. Dabei setzte sich Paatz als Ziel seiner Abenteuerromane nicht die Vermittlung von Fachwissen, sondern erhoffte sich die Faszination seiner Leser durch die mit besonderer Anschaulichkeit dargestellten Naturphänomene.
Das alte Buch gab mir den Anstoß – basierend auf Herbert Paatz’s Grundidee – einen »Familien-Krimi« zu schreiben. Ich erfand den Biologielehrer Dr. Martin Curtius, der ebenfalls ein Präparat zur Verkleinerung von Menschen entwickelt haben will. Seinen Schilderungen zufolge unternahm er mit einigen seiner Schüler Expeditionen in die Welt der Kleinlebewesen. Tatsache oder Spinnerei? Die überraschende Antwort darauf erhält der Leser erst am Schluss.
»DAS GEHEIMNIS DER SILBERNEN SCHATULLE« wurde ein Kriminalroman ganz besonderer Art. Um eine Kernerzählung herum bauen sich weitere Handlungsstränge auf, einzelne Geschichten, die durch einen gemeinsamen »roten Faden« verbunden sind und in einem spannenden Finale enden. Im Mittelpunkt steht immer wieder die silberne Schatulle, in der Doktor Curtius seine seltsamen Mixturen aufbewahrte, die zwei Jugendlichen beinahe zum Verhängnis wurden. Eines der Kapitel berichtet über einen Buben, der mit totalem Gedächtnisverlust am Donau-Ufer bei Passau aufgefunden wurde. Hier wurde ein Artikel aus der SÜDDEUTSCHEN ZEITUNG zum Thema »Anamnese« in vollem Wortlaut zitiert. Ein anderes Kapitel schildert das Schicksal eines jungen, von den Nazis verschleppten polnischen Zwangsarbeiters, der auf dem Rückweg in seine Heimat im Keller der Schlossruine Hohenburg eine unglaubliche Entdeckung machte.
»DAS GEHEIMNIS DER SILBERNEN SCHATULLE« trägt auch autobiografische Züge: Mit meinen Eltern und Geschwistern floh ich Ostern 1945 vor der heranrückenden Roten Armee aus Graz nach Treglwang/Obersteiermark, wo wir im Schloss Paltenstein unterkamen. Aber anstelle der erwarteten amerikanischen Truppen mussten wir auch dort den Einmarsch der Sowjets erleben, kurz darauf den endlosen Strom der in ihre Heimat Polen und Ukraine zurückstrebenden »Ostarbeiter«. Das waren teils verelendete, ausgehungerte, aber auch rachedurstige Männer und Frauen. Sie verwüsteten die Räume des Schlosses, raubten antike Kunstwerke, zerschlugen wertvolles Mobiliar und zündeten es im Schlosspark an.
Die Eigentümer von Schloss Paltenstein – Baron von Holleuffer und seine Gattin – waren aus Furcht vor Repressalien durch ihre ehemaligen Dienstboten in den Hochwald oberhalb ihres Anwesens geflüchtet. Als sie den Feuerschein sahen, glaubten sie, ihr Schloss stehe in Flammen. Aus Verzweiflung erschossen sie sich vor ihrer Jagdhütte. Dort entdeckte ich mit einer Gruppe herumstreifender Jugendlicher ihre Leichen, die von zwei halb verhungerten Doggen bewacht wurden. Die schrecklichen Ereignisse dieser Tage würden ein eigenes Buch füllen.
Die E i n l e i t u n g dieses Kriminalromans beschreibt die Zerstörung eines fiktiven »Schloss Hohenburg« auf der Schwäbischen Alb und das Schicksal eines Baron Rüdiger Freiherr von Hohenburg und seiner Gattin Gerlinde. Typische Kriegs- und Nachkriegsschicksale werden im weiteren Verlauf geschildert. Natürlich durfte eine zarte Liebesromanze nicht fehlen.
___________________________________________________________________
(*) Ein Teil der Auflage enthält im Vorspann falsche Angaben über Herbert Paatz
Hier geht's zurück zur Buchpräsentation .





